Daniela Hölzl:

„Nichts hat Sinn, es sei denn in Beziehung zum Schloss. Darum ist es notwendig, mit dem Schloss einen Kontakt herzustellen. Ein Leben in beständigem Kontakt mit dem Schloss  lässt sich jedoch nicht leben.“
„locus igitur ad esse operatur“, schreibt Albertus Magnus: Der Ort verhält sich dem gegenüber, das er enthält nicht neutral, im Gegenteil, er bewirkt es.
Für »The Castle: Das Schloss« hat Käthe Hager von Strobele eine Umgebung fotografiert. In einer Reihe von Fotografien hat sie dokumentarisch festgehalten, wie sich eine etabliert Persönlichkeit im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts verschiedene Positionen in Politik und Gesellschaft einnehmend, auf einem Landsitz in der österreichischen Provinz präsentierte. Ein Landsitz, somit handelt es sich also um Repräsentation innerhalb dieser Gesellschaft.
Die Künstlerin hat akribisch, sachlich, wohlwollend aufgenommen, wie sich über das ganze schlossähnliche Anwesen eine Fülle von Arrangements hinzieht. Jede Nische ist zum Bild komponiert, ausgestattet mit dem, was in solchen Häusern wohl zu finden ist. Dieser Katalog des vornehmen Wohnens wird unterlegt von den unzähligen Ornamenten der Teppiche.
Hager von Strobele hat nun einige dieser Dokumente exemplarisch in Glaskästen gesetzt – eine „Objektivierung“, die den sachlichen Charakter einer Untersuchung verstärkt. Dieser Zug wird allerdings wieder gebrochen, indem sie ihn durch Mannequins, Mantel-Objekte oder Vogelscheuchen, gar Gespenster konterkariert. Dazu kommen Skizzen von Räumen, haptische Stoff-Bilder und ein Puzzle oder Setzkasten von Fotografien, um der Vielzahl der Bilder einen Rahmen zu geben. Ein Wunsch nach Ordnung schlägt sich nieder, dominierender Ausdruck all der Muster.
Die Gestaltung des Hauses zeigt ein Leben in Bildern.
Nun wissen wir aber, spätestens seit Lacan es als Spiegelstadium beschrieben hat, wie sehr die Bildung des Ich von Bildern abhängt (der Narzissmus, das Ich, ist zusammengesetzt aus einem Ensemble von besetzten Bildern, die um ein Loch, einen Mangel zirkulieren. Dieser ist der Ort des Blicks und Ursache der Montage). Aus diesem Blickwinkel lassen sich einige der Objekte nicht mehr nur dem Dekor oder dem Bedürfnis nach gesellschaftlichem Aufstieg zurechnen.
Sehen sie uns an? Betrifft uns jener Heilige Georg, der einem Heftchen mit Ritter-Romanen entsprungen scheint? Er ist gepanzert, er tötet den Drachen, er wird gehalten von einer der vielen Muscheln, diesem Meer der Weiblichkeit. Die Künstlerin fotografiert und registriert – ebenso den anderen Ritter, den Mann mit dem Goldhelm, diesmal in Petit Point Stickerei, gelungene Quadratur des bürgerlichen Subjekts. Wenn diese Bilder und Szenen für das Imaginäre stehen, wie verhalten sie sich dann zur Wirklichkeit der Fotografie?
Käthe Hager von Strobele webt ein Muster, sie stellt Einzelnes heraus und schafft zugleich eine Textur, eine Umgebung und Umwelt. Das „Schloss“ erweist sich als „Bau“. Innenwelt und Umwelt seines ehemaligen Bewohners entsprechen einander, jetzt werden sie noch einmal gespiegelt.